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Sonntag, 4. Mai 2008

Igor im "Interview"

... und nochmal das (schon etwas ältere) Backstagevideo: Igor wird von Mars leider mehr totgeredet als befragt :(

Freitag, 2. Mai 2008

Interview mit AWZ-Chefautor Manuel Meimberg - Teil 1 -

Ich hatte Gelegenheit, einem der beiden Chefautoren von "Alles was zählt" ein paar Fragen zu stellen. Hier ist der erste Teil der Antworten:

Frage: Wie genau ist ein Charakter festgelegt? Wenn so eine Serie startet, hat man Grundzüge, und in vielen Soaps ist eine Rolle drauf festgelegt, die ist mehr oder minder statisch. Das ist bei AWZ anders, da sind Entwicklungspotentiale und immer wieder unvermutete Seiten und Facetten (Axel!!! Immer wieder für eine Überraschung gut), und doch bleibt der Charakter in sich schlüssig. Entwickelt sich das langsam, durch die Story, durch Gewichtung - Nebencast kommt gut an und bekommt mehr Screenzeit -, durch Beobachtung: wie setzt der Darsteller die Vorgaben um, was kann man daraus noch machen, oder tatsächlich auch aufgrund Zuschauerreaktionen, hat das irgendeinen Einfluß?

MM: Das allerwichtigste ist, am Anfang ein stimmmiges Ensemble zu schaffen. Das bedeutet: Die Zusammenstellung der Figuren, das "Netzwerk" in dem sie zusammen wirken, muss funktionieren. Heißt: Stärken, Schwächen positive und Negative Charaktereigenschaften müssen gut aufeinander abgestimmt sein und sollten sich möglichst nicht "doppeln". Eine Figur wie Simone Steinkamp zum Beispiel, die sich nach Außen hin eine Art Panzer angelegt hat und nur sehr selten Menschen wirklich an sich heran lässt. Die nur selten echte Emotionen zeigt. Wenn sie dies aber tut, dann sind das starke Szenen, weil man plötzlich den Menschen Simone Steinkamp erkennt. So eine Figur sollte es natürlich nur einmal geben, so bleibt sie unverwechselbar und etwas besonderes. Am Anfang der Entwicklung einer Serie achtet man also darauf, die Figuren mit Besonderheiten auszustatten, die keine andere Figur hat. Man versucht, für jede Figur eine Art Archetyp zu finden. Von da an - wenn man ein stimmiges Ensemble gebaut hat - besteht unsere Aufgabe darin, die Figuren nicht zu verraten, ihnen also treu zu bleiben. Und auf der anderen Seite natürlich, immer neue Seiten der Figur AUFZUDECKEN, nicht neu zu erfinden. Das ist der feine aber wichtige Unterschied. Wenn Simone Steinkamp also beispielsweise herausfindet, dass ihr totgeglaubter Sohn noch lebt, dann ist sie plötzlich mit einem Dilemma konfrontiert, dem sie sich nie vorher stellen mussste. Sprich: Wir bleiben der Figur treu, denn der Zuschauer weiß inzwischen, dass Simone Probleme hat, Gefühle zu zeigen, aber gleichzeitig "zwingen" wir die Figur dazu, sich weiter zu entwickeln. Das ist gutes Storytelling. Gerade bei AWZ legen wir viel Wert darauf, auch die Stärken der Schauspieler zu erkennen und damit zu arbeiten. Wir Autoren sprechen viel mit den Schauspielern über die Rollen, wir "befruchten" uns also gegenseitig. Und natürlich beobachten wir auch immer die Reaktionen der Zuschauer. Hier muss man allerdings aufpassen, denn wenn zum Beispiel die Zuschauer immer wieder sagen "Ich hasse Jenny" o. ä. , dann ist das kein Zeichen dafür, dass wir was falsch machen, sondern genau das Gegenteil ist der Fall. Wir wollen, dass der Zuschauer Jenny hasst. Sie ist nun mal in den Grundzügen angelegt als unsympathische Figur. Auch hier gilt natürlich: Wenn wir es schaffen, dass der Zuschauer dann plötzlich Mitleid mit ihr hat, weil wir sie ganz unten zeigen, dann gewinnt die Figur wieder an Profil und wird komplexer. Das Wichtigste ist, dass eine Figur nie langweilig wird, aber trotzdem immer die Figur bleibt, die sie ist. Genau wie im richtigen Leben also.

Frage: AWZ ist immer ein Balanceakt zwischen Drama, Lovestories und ironischer Komödie mit fließenden Grenzen. Sehr verwirrend für den Zuschauer manchmal; mir scheint, das war ursprünglich stärker getrennt: Die Steinkamps und Axel fast schon parodistisch "überspielt", später der unwahrscheinliche Maximilian; die anderen dagegen hatten zwar auch komische Szenen, waren aber vom Grundsatz her "normale" Soapcharaktere mit Freud und Leid. Gibt es da ein durchgehendes Konzept oder wird das von Fall zu Fall mehr in der einen oder anderen Richtung geschrieben?

MM: Interessante Frage. Also. Uns war natürlich ganz am Anfang, als wir AWZ entwickelt haben, klar, dass wir anders sein müssen, als andere Serien. Die Zeit, als AWZ gestartet ist, war eine schwierige. Wir mussten gegen VIB 2 antreten, der Markt an täglichen Formaten galt in der Branche allgemein hin als gesättigt. Anders gesagt: Wenige haben uns zugetraut, dass wir es schaffen, noch eine Soap zu etablieren. Wir mussten also anders sein. Und dafür musssten wir an allen Ecken ansetzen: Andere Rollen, interessantere Charaktere. Und eine andere Sprache. Knackigere Dialoge. Wir wollten versuchen, die Soap unverwechselbar zu machen, und wenn man heutzutage Dinge hört oder liest wie: Die haben da immer so lustige Sprüche, oder: das sind so schräge Charaktere - dann haben wir vermutlich nicht alles falsch gemacht. Die Gefahr hier ist natürlich, dass man zu viel Comedy macht und dabei die Emotion auf der Strecke bleibt. Denn das ist bei einer Serie immer noch das Wichtigste: Die Emotion. Serie ist Drama, Drama ist Konflikt. Und auch hier gilt: Wir schauen immer nach den Stärken der Schauspieler. Ein Silvan zum Beispiel hat natürlich durch sein Spiel ein ganz besonderes Comedy-Potenzial, das wir natürlich gerne benutzen.

Frage: Die Produktion hat sicher mit Protesten wegen der Trennung von Roman und Deniz gerechnet, genau wie bei Julian/Diana und Julians Tod; war auch die schwulenpolitische Komponente vorhersehbar und einkalkuliert? Wie geht man damit um?

MM: Na klar war das einkalkuliert. Das war sogar gewollt. Es gibt nichts Besseres, als wenn am nächsten Tag viele Menschen in Deutschland über die Serie sprechen und diskutieren. Gerade bei Roman/Deniz gab es natürlich viele Diskussionen (die bis heute anhalten). Und das ist gut. Weil das bedeutet, dass die Zuschauer Anteil an der Geschichte nehmen. Geschichten, über die nicht diskutiert wird, sind schwache Geschichten. :-)

Mittwoch, 16. April 2008

Interview mit Dennis und Igor zur Verleihung des Szenepreises der Zeitschrift "Blu"

Das Interview wurde von der Redaktion des Szenemagazins "Blu" geführt und erscheint in der Printausgabe.

Original als PDF hier http://www.blu-magazin.de/e-paper_files/Blu_Stuttgart_0408_web.pdf auf Seite 50

WIE HAT ES EUCH GEFALLEN AUF UNSERER KLEINEN SZENEPREIS-SÜDDEUTSCHLAND-TOUR?
DENNIS: München war schön, aber als wir in den Backstagebereich des Friedrichsbau Varietés kamen, wo der Martin Reinl seine Handpuppen sortierte und die Stonewall Jungs sich für den Auftritt zurechtmachten, war es, als ob sich einen Abend lang ein Kindheitstraum erfüllt: Ein Hauch von Jim Henson`s „Rainbow Connection“!
IGOR: Ich war vorher in keiner der beiden Städte, daher fand ich es cool, auch mal dort gewesen zu sein. Die Show war superwitzig und die beiden Moderatoren haben mich sehr beeindruckt mit ihrer Lockerheit und Spontaneität, großes Kompliment an die beiden.

DENNIS, DU BIST JA EIGENTLICH GAR KEIN EISKUNSTLÄUFER, WIE LANG HAT ES GEDAUERT, BIS DU FIT FÜR DIE SERIE WARST?
DENNIS: Ein gutes halbes Jahr, aber ich hasse es, Dinge anzugehen, wenn nicht der Hauch einer Chance besteht, sie jemals richtig gut zu können. Trotzdem habe ich mich 5x die Woche für `ne Stunde aufs Laufband gequält und versucht, auf dem Eis `ne gute Figur zu machen. Das ging `ne Weile gut, aber als ich anfing, außerdem noch Kalorien zu zählen, dachte ich mir, es reicht jetzt. Geblieben ist eine Strohmitgliedschaft im Gym und großer Respekt vor dem, was Tanja und die anderen Läufer auf dem Eis leisten.

IGOR, KÖNNEN WIR DIE TATSACHE, DASS DIR EIN KNACKIGER PO WICHTIGER ALS GROSSE BRÜSTE IST, ALS HOFFNUNGSSCHIMMER WERTEN, DASS DU AUCH IM WIRKLICHEN LEBEN WENIGSTENS BI BIST?
IGOR: Nur in der Serie! Mir ist die Größe der Brust unwichtig, wenn sie denn schön ist.

WAS MEINST DU, DENNIS?
DENNIS: I don´t know and I could not care less. Selbst wenn, mir fehlt das Gen, das bisexuelle Männer interessanter erscheinen lässt als Schwule. Was sexuelles Interesse angeht, rangieren bisexuelle Männer bei mir weit hinter heterosexuellen Familienvätern und Frauen. Mein Leben ist schon kompliziert genug!

WAS WÜRDET IHR GERNE MAL SPIELEN?
DENNIS: Mir ist gar nicht klar, ob man mich in Deutschland nach „Roman Wild“ überhaupt noch mal für was anderes besetzen wird. In diesem Fall hoffe ich auf eine Deutsche Adaption von „Queer as Folk/ UK“ oder einen Moderatorenjob bei 9Live. IGOR: Alles, was mich herausfordert. Und ein gutes Drehbuch hat.

DENNIS, WAS MUSS MAN MACHEN, UM DEINE XXX-AUTOGRAMMKARTEN ZU KRIEGEN?
DENNIS: Am besten zeigt „Mann“ mir erstmal die eigene XXX-Visitenkarte!

IGOR, KRIEGST DU INZWISCHEN MEHR FANPOST VON SCHWULEN ODER VON MÄDELS?
IGOR: Es hält sich die Waage. Von mir gibt's übrigens auch XXX-Autogrammkarten! Was man dafür allerdings tun muss, verrate ich erst, wenn ich einmal auf dem Titel der blu war!

WAS FREUT EUCH BESONDERS DARAN, DASS „ALLES WAS ZÄHLT“ DEN SZENEPREIS BEKOMMEN HAT?
DENNIS: Dass es ein schwuler Publikumspreis ist. Ich hatte große Angst, dass gerade das Publikum, für das ich versucht habe zu spielen, die Geschichte nicht annimmt. Fucking hell, it’s just a Soap. Aber hierzulande meine liebste, und es ist schön zu wissen, dass nicht nur ich das so sehe.
IGOR: Dass unsere Arbeit ausgezeichnet wurde, und zwar die vom gesamten Team, und nicht nur von uns beiden, die wir den Preis entgegen genommen haben. Wir sind ungeheuer stolz, denn es ist unser erster Preis, aber ich bin ganz sicher, dass noch viele folgen werden.

DENNIS, EURE SCHWULE LIEBESSTORY HAT KEINEN QUOTENKNICK VERURSACHT! IST DIE TOLERANZ SCHON SO GROSS, ODER LAG ES ZUM GROSSEN TEIL AUCH AM DREHBUCH OHNE DIE ÜBLICHEN KLISCHEES?
DENNIS: Das Genre muss mit Klischees arbeiten, aber unsere Regisseure kriegen es immer wieder hin, diese zu brechen, und ab da wird es für mich spannend. Was die Quote angeht, sind Schwule ja nicht nur eine sozial isolierte Randgruppe von 10 Prozent. Wir alle haben Familien, Freunde, die mehr als bereit sind, sich mit schwulen Thematiken im TV auseinanderzusetzen, wenn sie gut erzählt sind.

VIELEN DANK AN EUCH BEIDE, ES HAT WIRKLICH SEHR VIEL SPASS GEMACHT, EUCH DABEI ZU HABEN UND EUCH EIN BISSCHEN KENNENZULERNEN!
BEIDE: Danke das Ihr uns mitgenommen habt!